Verbandsgemeindehaus in Montabaur wird gebaut

Nach mehr als zehn Jahren der Suche, der Diskussionen und Grundsatzbeschlüsse ist es nun soweit: Der Verbandsgemeinderat (VGR) Montabaur hat den Bau des neuen Verbandsgemeindehauses einstimmig beschlossen. Formal hat er dazu den Auftrag für die Architektur an die Hamburger BOF Architekten vergeben, die den Architektenwettbewerb gewonnen hatten und deren Entwurf für Furore gesorgt hatte. Parallel dazu ergingen die Aufträge für die Ingenieurleistungen Statik und Haustechnik an die bestplatzierten Büros dieser Vergabeverfahren. Außerdem beschloss der Rat, ein externes Baucontrolling einzusetzen. Schließlich bestätigte der VGR den vorgelegten Kostenrahmen für das Bauprojekt: Derzeit rechnet die VG mit Gesamtkosten von 33,5 Mio. Euro und zusätzlich mit einem Kostenrisiko von 4,5 Mio. Euro. Die Finanzierung erfolgt im Haushalt der VG aus Rücklagen, über Kredite und möglicherweise durch eine Erhöhung der Umlage.

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So soll das neue Verbandsgemeindehaus in Montabaur aussehen. Der Entwurf stammt von den Hamburger BOF Architekten (Bild: BOF)

Das neue Verbandsgemeindehaus

Im Rathaus laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren​

Seit der Verbandsgemeinderat Ende Juni grünes Licht für den Neubau des Verbandsgemeindehauses gegeben hat, laufen in der Verwaltung die Vorbereitungen auf Hochtouren. Zunächst wurden die Verträge mit den Hamburger BOF Architekten ausgearbeitet und von Bürgermeister Ulrich Richter-Hopprich unterschrieben. Die BOF Architekten hatten mit ihrem Vorentwurf den Architektenwettbewerb gewonnen und werden nun ihre Arbeit konkretisieren und in eine umfassende Planung überführen. Außerdem hat die Verwaltung die Verträge mit den Fachbüros für Haustechnik Köhler beraten+planen (Kbp) aus Wiesbaden sowie für Statik mit den Brendebach Ingenieuren aus Montabaur unter Dach und Fach gebracht. Weitere Vergabeverfahren beispielsweise für das externe Bau-Controlling und andere Ingenieursleistungen laufen gerade oder werden vorbereitet. Außerdem hat die Bauverwaltung den Entwurf für den Bebauungsplan "Verbandsgemeindehaus" vorbereitet, den die Stadt Montabaur derzeit aufstellt, um damit Baurecht für das neue Verwaltungsgebäude am Gerberhof zu schaffen. Parallel dazu hat Bürgermeister Richter-Hopprich eine Projektgruppe gebildet, der neun Mitarbeiter aus den verschiedenen Fachabteilungen angehören. Unter der Leitung von Stefan Baumgarten werden sie verwaltungsintern das Gesamtprojekt koordinieren und voranbringen. In der Gruppe werden die Aufgaben Hoch- und Tiefbau, Tiefgaragenbau, Stadtplanung, Haustechnik und IT-Ausstattung, Verwaltungsorganisation, Umzugsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit vernetzt. Ende September konnte die Gruppe einen besonderen Gast in ihrer Runde begrüßen: Ole Flemming, einer von drei Gesellschaftern der BOF Architekten, war zu einem ersten Arbeitstreffen nach Montabaur gekommen. Das Treffen galt dem persönlichen Kennenlernen, dem Austausch von und über Planungsunterlagen sowie Absprachen über die nächsten Schritte.

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Atmosphäre spüren: Ole Flemming (l.) von BOF Architekten kam zu einem Arbeitstreffen nach Montabaur und besuchte mit Bürgermeister Ulrich Richter-Hopprich den Bauplatz für das neue Verbandsgemeindehaus. 

Baustraße für das Verbandsgemeindehaus wird angelegt

Die ersten Bagger rollen in diesen Tagen über das Baugelände für das neue Verbandsgemeindehaus in Montabaur. Sie stellen eine Baustraße her, über die künftig sämtlicher Verkehr von und zur Baustelle abgewickelt wird. Zunächst wird ein tragfähiger Untergrund aus Schotter planiert, dann kommt Anfang September der Asphalt drauf. Außerdem lässt die Stadt Montabaur eine provisorische Straßenbeleuchtung installieren. Die Baustraße verläuft zwischen Wallstraße und Steinweg. Sie stellt damit eine wichtige Fußwegeverbindung wieder her, die durch Abrissarbeiten auf dem Grundstück und Bauarbeiten in der Nachbarschaft lange nicht gegeben war. "Das ist auch der Grund, weshalb wir schon jetzt – lange vor dem Beginn der eigentlichen Bauarbeiten – die Baustraße anlegen", erklärt Projektleiter Stefan Baumgarten von der Verbandsgemeindeverwaltung. Die Kosten für die Baustraße einschließlich Beleuchtung liegen bei rund 50.000 Euro. Gegen Ende der Baumaßnahme Verbandsgemeindehaus wird die Baustraße zurückgebaut und an gleicher Stelle eine vollwertige Erschließungsstraße errichtet. Dafür wird das bereits eingebaute Material (z. B. Schotter) wiederverwendet. Bei der finalen Erschließung werden auch alle üblichen Versorgungsleitungen wie Kanal, Wasserversorgung, Gas, Strom und Telekommunikation verlegt und an die bestehenden Netze angeschlossen. Die neue Straße wird schließlich als öffentlicher Verkehrsweg ausgewiesen und den Namen "Gerberhof" tragen – die künftige Adresse des neuen Verbandsgemeindehauses. 

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Auf dem Baugelände für das neue Verbandsgemeindehaus in Montabaur wird derzeit eine Baustraße angelegt, über die künftig der Baustellenverkehr läuft.

Der Gewinner-Entwurf – das neue Verbandsgemeindehaus

Der BOF-Entwurf sieht ein kompaktes, gradliniges, langgestrecktes Gebäude aus rotem Ziegel vor mit einem gleichschenkligen Satteldach, das in Richtung Stadtmitte ansteigt. Der längliche Grundriss passt sich dem schmalen Grundstück an, das Dach fügt sich in die Umgebungsbebauung ein, die kompakte Form ist wirtschaftlich im Bau sowie in der späteren Unterhaltung und die geraden Linien führen dazu, dass das Gebäude in der Raumaufteilung einem ebenso klaren wie flexiblen Raster folgt. Das großzügige Foyer im Erdgeschoss ist mit bodentiefen Fenstern versehen und öffnet damit das Gebäude zur Innenstadt hin. „Der Entwurf hat alle unsere Anforderungen erfüllt“, führte Bürgermeister Richter-Hopprich aus, „und er ist maßgeschneidert für das Grundstück, für die Innenstadt und für unsere Verwaltung. Ich finde diesen Entwurf richtig gut.“ Er wies die Ratsmitglieder darauf hin, dass der Entwurf im Moment noch ein Vorentwurf ist, an dem vieles noch im Detail festgelegt werden muss. „Es liegen noch zahlreiche Einzelentscheidungen vor uns“, sagte er auch mit Blick auf die Kosten und mögliche Einsparpotenziale. Aus den Bürgergesprächen habe er vielfältige Anregungen und Hinweise erhalten, die notiert wurden und nun bei der konkreten Ausgestaltung des Entwurfs geprüft werden.

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Der Gewinnerentwurf

Das städtebauliche Modell zeigt, wie sich das neue Verbandsgemeindehaus in seine Umgebung einfügen wird.

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Haustechnik und Statik

Die Ingenieurleistungen Haustechnik (technische Gebäudeausstattung) und Statik (Tragwerksplanung) spielen bei einem solchen Bauvorhaben eine zentrale Rolle. Die öffentliche Ausschreibung dafür erfolgte deshalb in einem ähnlichen Verfahren wie der Architektenwettbewerb und wurde zeitlich darauf abgestimmt. Im Verfahren Haustechnik hat sich das Büro Köhler beraten+planen (Kbp) aus Wiesbaden als das am besten geeignete Büro gezeigt. Das Vergabeverfahren Statik konnte das Büro Brendebach Ingenieure aus Montabaur für sich entscheiden. Beide Büros wurden vom VGR beauftragt.

Projektorganisation in der Verwaltung

Der Neubau des Verwaltungsgebäudes wirkt sich auf die tägliche Arbeit der Verwaltung aus, zumal er parallel zum laufenden Betrieb gestemmt werden muss und einige Jahre dauern wird. In der Verwaltung wurde deshalb eine Projektgruppe gebildet, in der alle Aufgaben koordiniert werden, die beim und rund um den Neubau und Umzug entstehen. Konkret sind das die Themen Hochbau, Tiefbau, Haustechnik, Kommunikation, EDV, Tiefgarage, Umzug, Städtebau, Ausstattung und Verwaltungsprozesse. Daneben gibt es eine Lenkungsgruppe, die das Bauprojekt politisch begleitet. Ihr gehören der Bürgermeister, der Erste Beigeordnete, der Büroleiter, Vertreter der Ortsbürgermeister, Vertreter des VGR, Vertreter des Personalrats sowie der/die Gleichstellungsbeauftragte und der/die Schwerbehindertenbeauftragte an.

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Projektplan

… und das alles über Jahre und bei laufendem Betrieb.

Externes Baucontrolling wird eingesetzt

Auf Initiative von Bürgermeister Richter-Hopprich beschloss der VGR, ein externes Baucontrolling einzusetzen, das delegierbare Bauherrenaufgaben übernimmt. Ein Fachbüro soll nun gesucht und beauftragt werden, das das Projekt steuert und in dem Prozess die Interessen des Bauherrn vertritt. Zu den Aufgaben gehören das Erstellen und die ständige Kontrolle von Termin-, Kosten- und Organisationsplänen und damit einhergehend die Koordination der beteiligten Fachbüros und am Bau beteiligten Firmen – immer in enger Rückkopplung mit der Verwaltung. Außerdem soll das Baucontrolling dem VGR direkt Bericht erstatten ohne vorherige Abstimmung mit der Projektleitung in der Verwaltung. „Ich will damit größtmögliche Transparenz in dem Projekt schaffen“, beschrieb Richter-Hopprich seine Intention. „Es ist mir wichtig, dass wir Fehler nicht erst entdecken, wenn sie passiert sind, sondern Fehlentwicklungen frühzeitig vorbeugen.“

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Externes Controlling

Mehr Transparenz bei den Kosten

Kosten und Finanzierung

Nachdem nun mit dem BOF-Entwurf das Bauvorhaben Verbandsgemeindehaus erstmals konkrete Formen angenommen hat, war es auch erstmals möglich, sämtliche Kosten des Gesamtprojektes detailliert hochzurechnen. Dazu hatte die Verwaltung vom Büro Bauwert aus Limburg einen so genannten vertieften Kostenrahmen nach DIN 276 erstellen lassen, der alle Aspekte des Projekte umfasst, Risiken einkalkuliert und übliche Baukostensteigerungen berücksichtigt. Danach werden die Gesamtkosten für das Verbandsgemeindehaus auf 33,5 Mio. Euro geschätzt und zusätzlich ein Kostenrisiko von 4,5 Mio. aufgeschlagen. Im Kostenrahmen enthalten sind die Bauwerkskosten von 22 Mio. Euro für die Herstellung eines bezugsfertigen Hauses mit Tiefgarage sowie 3 Mio. Euro, die bereits für Grundstück, Architektenwettbewerb und diverse Gutachten und Honorare ausgegeben wurden. weiterlesen

Die neue Straße: Gerberhof

Bereits im Vorfeld der VG-Ratssitzung hatte der Haupt- und Finanzausschuss beschlossen, noch diesen Herbst eine Baustraße anlegen zu lassen. Sie soll bis zur Fertigstellung aller umliegenden Baumaßnahmen erhalten bleiben und als Zubringer für alle Baufahrzeuge dienen. Nach dem Umzug der Verwaltung soll die Straße „Gerberhof“ final erschlossen und dabei alle nötigen Versorgungsleitungen verlegt werden. Die Kosten für die Baustraße wurden auf 46.000 Euro berechnet. 

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Neue Straße Gerberhof

Die neue Straße Gerberhof wird direkt am neuen Verbandsgemeindehaus entlang führen.(Bild: BOF)

Verbandsgemeinderat hat getagt

Seit der Bekanntgabe der Ergebnisse des Architektenwettbewerbs hat das Bauvorhaben Verbandsgemeindehaus viel Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erhalten. Das zeigte sich auch bei der Sitzung des VGR, bei der die Zuschauerreihen ungewöhnlich gut besetzt waren. Zu Beginn der Sitzung hatte Bürgermeister Richter-Hopprich den Zuschauern die Möglichkeit eingeräumt, Sachfragen zur Vorstellung des Projektstandes zu stellen. Davon wollte aber niemand Gebrauch machen. weiterlesen

Wie geht es weiter?

Nachdem nun der Verbandsgemeinderat die Auftragsvergaben für die Ingenieurleistungen Architektur, Haustechnik und Statik beschlossen, wird der Bürgermeister die Verträge mit den Fachbüros abschließen. Parallel dazu wird die Verwaltung das Vergabeverfahren für das externe Baucontrolling einleiten. Diese Leistung muss europaweit ausgeschrieben werden. Nach der Vertragsunterzeichnung werden die beauftragten Fachbüros gemeinsam mit der Verwaltung und den politischen Gremien den Entwurf, der bisher nur ein Vorentwurf war, im Detail ausarbeiten und in eine konkrete Bauplanung überführen. Dabei muss vor allem das Anforderungsprofil der Verwaltung geschärft werden, da es als Grundlage für die weiteren Planungsgespräche dient. In diesem Zusammenhang werden auch die zahlreichen Anregungen und Hinweise geprüft, die die Bürger in Gesprächen oder schriftlich an die Verwaltung herangetragen haben. Für diese Phase der konkreten Bauplanung sind 1,5 bis 2 Jahre vorgesehen; der Baubeginn könnte also frühestens im Frühjahr 2020 erfolgen.